Sebastiani Brunnensingen Kirche Eingang Rheinfelden

«Die Weihnachtszeit ist eine gute Zeit, um nach Rheinfelden zu kommen»

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Mitten im Advent durfte ich mit dem noch amtierenden Stadtammann Franco Mazzi über die Weihnachtszeit, welche er sehr schätzt, sprechen. Von besonders grosser Bedeutung ist für ihn das Sebastiani-Singen, bei welchem er seit 25 Jahren mitmacht.

«Das gedämpfte Licht in der Kirche zieht einem förmlich dorthin», beschreibt Franco Mazzi einen für ihn ganz speziellen Moment in Zusammenhang mit der Weihnachtszeit.

Seit dem Jahr 2000, die eine Tochter war noch ganz klein, die andere gar noch nicht geboren, wird er an Heiligabend jeweils ab 21 Uhr unruhig, schaut vielleicht nochmals schnell den Liedtext an, zieht die speziellen Kleider an und macht sich kurz nach 21.30 Uhr auf den Weg zum Treffpunkt mit weiteren elf Brüder der traditionellen Rheinfelder Sebastiani-Brüderschaft.

Die Sebastiani-Bruderschaft gibt es in Rheinfelden seit 1541. Gegründet wurde sie während einer schweren Pestepidemie. Damals schlossen sich zwölf Männer zusammen, um Kranke zu pflegen, die Toten zu begraben und mit ihren Gesängen um Schutz zu bitten. Bis heute ziehen die Brüder an Heiligabend und Silvester durch Rheinfelden, um den Heiligen Sebastian um Schutz gegen die Pest zu bitten.

Die Sebastiani Bruderschaft zieht durch die dunkle Marktgasse.
— Die Sebastiani-Bruderschaft – seit 1541 ein lebendiges Zeugnis gelebter Tradition.

So verlässt Franco Mazzi an Heiligabend also die warme Stube und zieht mit der Bruderschaft durch die Gassen, um sechs verschiedene Brunnen zu besingen. Der letzte besungene Brunnen ist jeweils derjenige vor der Martinskirche, von wo aus die Bruderschaft die Mitternachtsmesse in der Kirche besucht. «Wenn ich kurz nach halb zwei heimkomme, brennen die Lichter des Tannenbaums nicht mehr und die Familie schläft.»

Auch an Silvester ziehen die zwölf schwarz gekleideten Männer durch die dunklen Gassen und pflegen den jahrhundertealten Brauch.

«Insbesondere in einer Zeit, in welcher man das Gefühl hat, dass vieles immer unruhiger wird, sind Traditionen und Bräuche sehr wichtig», ist Franco Mazzi überzeugt.

Mit dem Weihnachtsfunkeln beginnt alles

Nicht nur das traditionelle Brunnensingen, sondern die Weihnachtszeit im Allgemeinen schätzt Franco Mazzi sehr. Er spricht vom Weihnachtsfunkeln, das in Rheinfelden jeweils am Freitagabend vor dem 1. Advent den Auftakt für die schönste Zeit im Jahr bildet. Der Moment, an welchem die Weihnachtsbeleuchtung im Städtli erhellt und viele Aktivitäten ihren Lauf nehmen. «Viele wunderbare stimmungsvolle Konzerte, die an Weihnachten heranführen», sind nur ein Beispiel dafür.

Pferde Sechsspänner Weihnachtsfunkeln
— Der Feldschlösschen-Sechsspänner bringt das Weihnachtsbier – und mit ihm den Zauber des Adventsfunkelns.

Franco Mazzi erwähnt auch den schönen Lichterzauber, der Menschen von nah und fern ins Städtli zieht. «Die Weihnachtszeit ist eine gute Zeit, um nach Rheinfelden zu kommen», sagt er.

Auch Silvester ist für Franco Mazzi ein ganz spezieller Tag, da er seit 25 Jahren auch dann mit der Sebastiani Bruderschaft unterwegs ist. Nach dem Brunnensingen findet jeweils das Orgelkonzert in der Martinskirche statt. Anschliessend folgt das «Spezialprogramm» für den Stadtammann, bei welchem er sich um Mitternacht mit dem Oberbürgermeister von Badisch Rheinfelden auf der Brücke trifft.

«Wir hören den Glocken zu und wünschen uns gegenseitig ein gutes neues Jahr an. Kurz nach Mitternacht folgt dann das Feuerwerk», erzählt Franco Mazzi.

Immer wieder kommen wir auf die Traditionen und Bräuche zu sprechen, welche besonders in der aktuellen Zeit eine grosse Rolle spielen. «Die Menschen brauchen Dinge, die ‹schon immer so waren›, an welchen sie sich festhalten können, die das Jahr strukturieren und ihm einen Rahmen geben.»

Franco Mazzi steht im Innenhof vom Rathaus beim grossen Weinachtsbaum.
— Mit mehr Zeit und unveränderter Begeisterung möchte Franco Mazzi die Adventsbräuche weiter erleben.

Vieles wird bleiben

Obschon für Franco Mazzi ab kommendem Jahr die amtlichen Verpflichtungen wegfallen werden, wird er viele Weihnachtstraditionen fortführen. «Am Weihnachtsfunkeln werde ich trotzdem gerne dabei sein und ein Weihnachtsbier geniessen, das die Feldschlösschen-Pferde ins Städtli bringen», schmunzelt er. Auch die Tradition des Anstossens auf das neue Jahr auf der Rheinfelder Rheinbrücke wird er in Zukunft gerne pflegen.

«Viele Aktivitäten werden gleichbleiben, einfach ein bisschen entspannter.»

Ebenfalls das Brunnensingen mit der Sebastiani-Bruderschaft. Da hat er – nachdem er es mit seiner Frau besprochen hatte – vor 25 Jahren einmal Ja dazu gesagt und es wird ihn ein Leben lang begleiten. «Meine Frau war damals einverstanden, weil sie wusste, dass das Brunnensingen etwas ganz Wertvolles für mich ist.»

 
 
Janine Tschopp ist freie Journalistin. Sie schreibt unter anderem regelmässig für die Neue Fricktaler Zeitung, das Kulturmagazin «2x Rheinfelden» und das Rheinfelder Weihnachtsmagazin.

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