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Bürgermeister Gast

Wie einer selbst im Tod nicht von seiner Schlechtigkeit lassen kann das erzählt die Geschichte vom Bürgermeister Gast. Der reiche Müller konnte nicht genug bekommen und liess sich von den Schweden mit einem Sack voll Geld dazu bestechen, den Belagerern zu mitternächtiger Stunde eine Türe beim Storchennestturm zu öffnen. Zuvor hatte er die Strasse mit Spreu bedeckt, damit man den Huftritt der Eindringlinge nicht hören sollte. Die Heilige Mutter Gottes selber konnte diesen Verrat nicht mit ansehen und stellte um Mitternacht eigenhändig alle Turmuhren auf vier Uhr vor. In der Meinung, es sei Zeit, um ans Werk zu gehen, standen die Schmiedegesellen auf, ertappten die eingedrungenen Soldaten und schlugen sie mit ihren Hämmern in die Flucht. Der Bürgermeister Gast wurde später überführt und zur Strafe in Öl gesotten. Er sprang aber in Gestalt eines Hundes wieder aus dem Kessel und plagte die Menschen fortan als Wiedergänger, bis er von einem Mönch in eine Flasche gebannt und im Grüttgraben, weit vor den Toren der Stadt, vergraben wurde. Alle Jahre darf er sich der Stadt um einen Hahnentritt nähern. Bis zur Wirtschaft «Drei Könige», heisst es, habe er es schon geschafft. Und wenn er am Obertor anlangt dann ist der Jüngste Tag.

Storchennestturm
Storchennestturm

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Gedruckt am 26.08.2019 03:23:47